Sind Staaten innovativ?

Gepostet am 25. Januar 2017 | Redakteur Mag. Markus Ruf | Kategorie Kluge Worte, Markenstrategie

Sind Staaten innovativ?

Unternehmen gelten gewöhnlich als innovativ, während Staaten als träge betrachtet werden. Aber stimmt das? Der folgende Beitrag lädt dazu ein, querzudenken und die Sache einmal anders zu betrachten.                                                                                –

Große, folgenreiche Innovationen wurden sehr oft nicht von Unternehmen, sondern von Staaten vorangetrieben. Diese provokante These vertritt Mariana Mazzucato in ihrem Buch „The Entrepreneurial State“ (deutsch „Das Kapital des Staates“).

Das Beispiel Internet

Ein allgemein bekanntes Beispiel ist das Internet, das ursprünglich ein Riesenprojekt des amerikanischen Verteidigungsministeriums war.

Apples fremde Lorbeeren

Mazzucato geht noch weiter. Ihrer Meinung nach ist so gut wie jede Technologie, die im iPhone steckt, staatlich finanziert. So basieren zum Beispiel Touchscreens auf britischen Forschungsergebnissen, die ebenfalls einen militärischen, also staatlichen Hintergrund haben. Für Halbleitertechnik, Mikroprozessoren, GPS und Sprachassistenten gilt das Gleiche.

Der Start-up-Hype

Neben dem Internet gibt es viele weitere Bereiche, die stark von der staatlich finanzierten Forschung leben, etwa aktuell die Nano- und Biotechnologie. Gemessen an diesen großen Brocken wirken so manche Apps hochgelobter Start-ups völlig bedeutungslos.

Mut zum Risiko

Die Entwicklung bahnbrechender Innovationen verschlingt oft unglaubliche Summen, die am Ende nicht immer Gewinne abwerfen. Frage ist, wer dieses Risiko zukünftig auf sich nehmen möchte.

Mazzucato schlägt vor, dass Staaten vermehrt Patent-Tantiemen für Innovationen verlangen sollten, die aus öffentlich finanzierten Laboren oder Universitäten kommen. Das Geld könnte dann wieder in die Forschung gesteckt werden.

Was soll das Ganze?

Man könnte nun fragen, was Mazzucato in einem Markenblog zu suchen hat. Die erste Antwort wäre, dass ihre These zum Hinterfragen und Querdenken animiert. Und das ist schon an sich eine gute Sache.

Zweitens verdient das Thema aus Markensicht Beachtung, weil viele Unternehmen auf Innovation als Markenrolle setzen.

Innovation und die Marke

Es wäre nun fatal, aus dem Apple-Beispiel den Schluss zu ziehen, Ideenklau würde reichen, um sich ein innovatives Image zu verpassen. Auch wenn Apple die meisten Technologien nicht erfunden haben sollte, dann wurden diese doch für eine alltagsrelevante Nutzung aufbereitet. Und diese Leistung erfordert sehr wohl auch einen innovativen Spirit.

Für Marken, die sich als innovativ positionieren wollen, ist es also ratsam, in die eigene Entwicklungsabteilung zu investieren. Denn Markenexzellenz entsteht in der Regel erst, wenn Realität und Image übereinstimmen.

Mariana Mazzucato

Mariana Mazzucato ist eine italienisch-amerikanische Ökonomien, die hauptsächlich in Großbritannien arbeitet. Das Manager-Magazin feierte sie bereits 2014 als „neuen Star“ der Wirtschaftstheorie.

Mariana Mazzucato, Ãkonomieprofessorin an der University of Sussex / Mariana Mazzucato (PhD) holds the RM Phillips chair in the Economics of Innovation at SPRU in the University of Sussex.

Mariana Mazzucato, Ãkonomieprofessorin an der University of Sussex / Mariana Mazzucato (PhD) holds the RM Phillips chair in the Economics of Innovation at SPRU in the University of Sussex.

Kommentare

  1. Lieber Markus

    Herzlichen Dank für diesen interessanten Beitrag.
    Für mich sind Staaten nicht innovativ.
    Das Bsp. Internet im Blogeintrag ist von der ARPA die Research Agency des US Verteidigungsministeriums Die hat aber nur das Geld gegeben und die Forscher von Universitäten haben es dann umgesetzt. Nicht der Staat.
    Mariana Mazzucato sagt auch in ihrem Buch nicht Staaten sind innovativ sondern nur, dass diese oft dafür mit riesigen Geldbeträgen diese finanzieren 🙂

    Vielleicht sind es einzelne Personen oder Abteilungen in der Verwaltung innovativ.
    Innovation heisst ja Risiken eingehen, dass macht ein Verwalter wohl eher weniger.

    Darum ist z.B. ein Staat auch oft froh, wenn eine Stiftung mal was anleiert und finanziert, wenn es dann ein Erfolg ist wie z.B. ein Museum, dann beteiligt sich der Staat gerne nach ner Weile mit einem Zustupf.

    Uebrigens, wenn was neu ist im Land A ist es alter Kaffee für Land B. Da muss man auch noch aufpassen.

  2. Markus Ruf 31. Januar 2017 at 09:59

    Für wirklich innovativ halte ich Staaten auch nicht. Vor allem gibt es die Tendenz, dass sie es immer selten sind und immer mehr aus der Verantwortung stehlen. An der These, dass aufgrund großer staatlicher Forschungsinvestitionen manche Innovationen erst möglich wurden, scheint aber schon was dran zu sein (wer auch immer dann letztlich die Ausführenden sind). Aber verlassen wir mal die Expertenebene 😉 und schauen, was die Leute denken: Die meisten glauben wahrscheinlich tatsächlich, dass Apple das iPhone komplett allein entwickelt hat, und vor diesem Hintergrund ist Mazzucatos Ansatz durchaus erhellend. Da geht es um Imagefragen, was für uns von der Markenagentur Silberball natürlich ein interessanter Aspekt ist.

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