Aktuelle Studien belegen: „Multi-Screener“ werden immer anspruchsvoller

Gepostet am 17. März 2016 | Redakteur Mag. Gerhard Wallner | Kategorie Neue Geschäftsmodelle, Studien

Wer die Aufmerksamkeit der Mediennutzer gewinnen will, muss es mit immer mehr Screens und Angeboten aufnehmen. Schon wegen Kleinigkeiten klicken die anspruchsvollen Konsumenten weg.

Mit einer zunehmenden Anzahl von benutzten Geräten und Medieninhalten sind auch die Ansprüche der Konsumenten gestiegen. Schon kleine Fehler beim Design und Angebote, die nicht auf mobile Geräte angepasst sind, werden mit Wegklicken bestraft. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „State of Content – Expectations on the Rise“.

Demnach nutzen deutschsprachige Konsumenten durchschnittlich fünf Geräte und elf Medienquellen pro Tag. Drei von zehn Befragten ist dabei der Unterhaltungswert einer Nachricht wichtiger als die inhaltliche Genauigkeit. Bei den sogenannten Millennials trifft dies sogar auf vier von zehn Befragten zu. Mehr als drei Viertel, nämlich 77 Prozent, klicken weg und wechseln zu einem anderen Screen, wenn ihnen Bildauswahl und Layout visuell nicht attraktiv genug sind. 67 Prozent tun dies, wenn ihnen die Inhalte zu lang sind, und 78 Prozent klicken weg, wenn die Bilder zu langsam laden.

In Deutschland sind rund 80 Prozent online. Mehr als die Hälfte davon nutzt laut der ARD/ZDF Onlinestudie 2015 das mobile Internet. Aktuelle Trends sind Bewegtbild – und Audio. Zu diesem Ergebnis kommt die ARD/ZDF Onlinestudie 2015.

Skepsis gegenüber Marken
Besonders gegenüber Inhalten, die Marken produziert haben, sind die User skeptisch. 65 Prozent geben an, am ehesten Inhalten von Familienmitgliedern oder Freunden zu vertrauen. Für die Studie hat Edelman Berland im Auftrag von Adobe insgesamt 2017 Deutsche über 18 Jahren befragt, die Medien mit mindestens einem digitalen Gerät konsumieren. Zeitraum der Online-Befragung war September 2015.
Die Studie führt zudem die wichtigsten Trends auf, welche die Medienbranche und insbesondere die Verlagshäuser derzeit bewegen.

Trend 1: Mobile und Mobile Reporting
Der größte Trend, der man derzeit ausmachen kann, ist Mobile. Medienanbieter müssen sich noch stärker als bislang darauf einstellen, z.B. mit Online-Medienangeboten, die für das Lesen auf dem Smartphone optimiert sind. Aber nicht nur konsumiert, auch produziert wird immer mehr mobil. Heutzutage kann man mit dem Smartphone in Supersendequalität drehen und schneiden.

Trend 2: Social Media
Soziale Netzwerke generieren Traffic für News-Portale und machen damit ebenfalls einen der wichtigsten Trends aus. In den USA kommen mittlerweile 30 Prozent der Online-User von Facebook und Co. Medien wie die Huffington Post oder BuzzFeed setzen verstärkt auf „User Generated Content“, also auf Inhalte, die nicht von der Redaktion stammen, sondern von Online-Nutzern.

Trend 3: Datenjournalismus
In den USA sind Datenjournalisten schon selbstverständlich Teil der Redaktion in Verlagen, im deutschsprachigen Raum ist das noch anders. Unter Datenjournalismus versteht man die nutzergerechte Analyse und grafische Aufbereitung von großen Datenmengen. Gerade in Deutschland und Österreich haben es Journalisten allerdings noch schwer, an bestimmte Daten zu kommen

Trend 4: Die lange Form
Online-Journalismus ist gleich Häppchenjournalismus? Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass Menschen keine langen Artikel im Netz lesen wollen. Studien haben aber gezeigt, dass Leser durchaus bereit sind, längere Geschichten auf dem Smartphone oder Tablet zu konsumieren – wenn sie gut gemacht sind.

Trend 5: Unternehmerjournalismus
Start-ups gibt es auch im Journalismus – zumal in einer Zeit, die durch Stellenabbau geprägt ist. Ein bekanntes Beispiel für „Entrepreneurial Journalism“ ist das 2014 gestartete Online-Magazin Krautreporter.de. Experten gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren ein großes Wachstum an spezialisierten Quellen geben wird, die eine ähnlich hohe Reputation genießen werden wie traditionelle.

Trend 6: Hyperlokale Blogs
Auch Blogs, die sich auf eine bestimmte Stadt oder einen bestimmten Stadtteil beschränken, sind ein Trend, der sich in den USA beobachten lässt. „Bushwick Daily“, ein Blog über den besagten New Yorker Stadtteil, ist so erfolgreich, dass deren Betreiber davon leben kann. Das Geschäftsmodell beruht darauf, dass Werbeflächen für lokale Kunden auf dieser Webseite verkauft werden. Auch in Deutschland gibt es erfolgreiche Beispiele, wie etwa die „Prenzlauer Berg Nachrichten“ aus Berlin oder rheinneckarblog.de

Trend 7: Crowdfunding
Bekanntestes Beispiel für Crowdfunding im Journalismus sind hierzulande die Krautreporter. In den USA, wo kulturelle Projekte weniger staatliche Unterstützung erhalten, spielt Crowdfunding noch eine wesentlich größere Rolle. Ein Pendant zu Krautreporter.de ist dort etwa die Plattform Spot.us. Wer Geld per Crowdfunding einsammeln will, sollte leicht verständlich vermitteln, worum es bei dem jeweiligen Projekt geht.

Trend 8: Native Advertising und Paid Content
Einer Bitkom-Studie zufolge steigt die Zahlungsbereitschaft für Online-Inhalte. 2014 soll demnach bereits jeder vierte Internetnutzer für Journalismus im Web bezahlt haben. Ein weiterer Trend ist Native Advertising, also Werbung, die sich als journalistischer Inhalt tarnt. Viele Verleger wechseln aktuell zu Native Advertising, das laut Experten die Bannerwerbung früher oder später ersetzen wird.

Weitere Informationen unter www.internetworld.de/mobile/

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